← Alle Geschichten

Herr Frosti und Rudi, der Krabbenfreund

In einem Land weit, weit im Norden, wo die Tannen das ganze Jahr über ihren weißen Pelz trugen und die Luft immer frisch und kühl war, lebte ein ganz besonderer Schneemann. Er hieß Herr Frosti. Herr Frosti hatte zwei glänzende Kohleaugen, eine lustige Karottennase und einen freundlichen Mund aus kleinen Steinchen. Er stand jeden Tag da und schaute den tanzenden Schneeflocken zu, die vom Himmel fielen. Er liebte seine kalte, weiße Welt und die lustigen Pinguine, die manchmal vorbeihuschten, aber manchmal, ganz heimlich, träumte Herr Frosti davon, wie es wohl wäre, einmal etwas anderes zu sehen als nur Schnee und Eis. Er hatte Geschichten von einem fernen Ort gehört, wo die Sonne warm war und das Wasser riesig und blau. Weit weg von Herr Frostis eisiger Heimat, an einem sonnigen Strand mit warmem, goldenem Sand, lebte eine kleine, aber sehr neugierige Krabbe namens Rudi. Rudi war rot und hatte zwei flinke Scheren, mit denen er lustige Spuren im Sand hinterließ. Er liebte es, Muscheln zu sammeln und den Wellen zuzusehen, wie sie an den Strand rollten und wieder zurückgingen. Rudi liebte seine warme Welt und die vielen bunten Fische im Meer. Aber genau wie Herr Frosti, träumte auch Rudi manchmal. Er hatte von einem magischen "Schneeland" gehört, wo alles weiß war und die Luft so kalt, dass man kleine Wölkchen ausatmen konnte. "Oh, wie gerne würde ich einmal Schnee sehen!", dachte Rudi oft. Eines Tages geschah etwas ganz Besonderes. Ein alter, weiser Seebär, der viel gereist war, kam an Rudis Strand vorbei. Es war der große Walross Willi Wassertank, dessen Schnurrhaare lang waren wie Seile und dessen Stoßzähne glänzten wie poliertes Elfenbein. Willi erzählte Rudi von seinen Abenteuern und erwähnte dabei auch das Land des ewigen Schnees. Rudis kleine Augen wurden ganz groß. "Oh, Willi", piepste Rudi aufgeregt, "kannst du mich dorthin mitnehmen?" Willi schmunzelte. "Es ist eine lange Reise, kleiner Rudi, und sehr kalt. Bist du sicher?" Rudi nickte entschlossen. "Ja, ja!", sagte er. Also machte sich Rudi auf die Reise. Er klammerte sich fest an Willis breiten Rücken, während das Walross gemächlich durch das riesige, blaue Meer glitt. Die Tage vergingen und wurden immer kälter. Rudi kuschelte sich tief in Willis warmes Fell, wenn sie Rast machten. Bald sah er die ersten kleinen Eisschollen auf dem Wasser schwimmen, und dann, ganz plötzlich, tauchten riesige weiße Berge am Horizont auf. Es war das Land, von dem Herr Frosti geträumt hatte – und Rudis Traum wurde wahr! Willi brachte Rudi zu einer windgeschützten Bucht, wo der Schnee bis zum Meer reichte. Und dort, inmitten der glitzernden Pracht, stand Herr Frosti! Er war noch größer und freundlicher, als Rudi es sich vorgestellt hatte. Rudi kletterte vorsichtig von Willis Rücken und watschelte auf seinen kleinen Beinchen durch den weichen Schnee, der so kalt war, wie er es sich gewünscht hatte. "Hallo, Herr Frosti!", rief Rudi mit seiner kleinen Stimme. Herr Frosti blinzelte mit seinen Kohleaugen. "Hallo! Wer bist du denn, kleiner Roter?" Rudi erzählte Herrn Frosti alles über sich und den warmen Strand und das blaue Meer. Er beschrieb die bunten Fische, die lustigen Möwen und die salzige Luft. Herr Frosti lauschte gebannt. Er hatte noch nie zuvor so lebendige Geschichten gehört. Dann erzählte Herr Frosti Rudi von seiner Welt: von den glitzernden Eiskristallen, die wie Diamanten funkelten, von den lustigen Schneeballschlachten, die die Kinder im Winter spielten, und von der Stille, wenn die Schneedecke alles bedeckte. Rudi war fasziniert. Er spürte die Kälte des Schnees unter seinen Füßen und sah die Schneeflocken auf seine Scheren fallen. Er war so glücklich! Die beiden ungleichen Freunde verbrachten den ganzen Tag damit, sich Geschichten zu erzählen und ihre Welten zu teilen. Herr Frosti zeigte Rudi, wie man kleine Schneekügelchen rollt, und Rudi zeigte Herrn Frosti, wie man im Sand kleine Burgen baut (zumindest in seiner Vorstellung). Sie lachten viel. Als die Sonne langsam unterging und der Himmel in rosa und lila leuchtete, wusste Rudi, dass es Zeit war, zurückzukehren. Willi wartete geduldig. "Auf Wiedersehen, Herr Frosti", sagte Rudi traurig. "Ich werde deine Geschichten und den Schnee niemals vergessen." Herr Frosti nickte. "Und ich werde deine Geschichten vom Meer und dem warmen Sand immer in meinem Herzen tragen, Rudi. Wer weiß, vielleicht besuchst du mich ja eines Tages wieder?" Rudi klammerte sich wieder an Willis Rücken. Auf dem Heimweg schloss er die Augen und träumte von einem Schneemann, der in einer glitzernden Welt stand, während Herr Frosti in seinem kalten Land an einen kleinen roten Krebs dachte, der das Meer so sehr liebte. Beide hatten gelernt, dass die Welt groß und voller Wunder war und dass Freundschaft die größte Reise von allen ist. Schlaf gut, kleiner Schatz.

Erstelle deine eigenen Geschichten

Lade Kigest herunter und generiere personalisierte Gute-Nacht-Geschichten für dein Kind.

🍎 Laden im App Store ▶️ JETZT BEI Google Play
Demnächst verfügbar
Kigest
Erstelle deine eigenen Geschichten Kostenlos herunterladen
🍎 App Store ▶️ Google Play