Flitzer Fridolin und Klara die Kleine Schildkröte
Es war einmal in einem wunderschönen, sonnigen Land, wo die Wiesen grün waren und die Blumen in allen Farben blühten. Dort lebten zwei ganz besondere Freunde. Der eine war Flitzer Fridolin, ein kleines, rotes Auto mit glänzenden Reifen und einem Motor, der nur so summte. Fridolin liebte es, schnell zu sein. Wenn er über die Wege sauste, sang er immer: "Rrrrrrumm, rrrrumm, ich bin der Schnellste weit und breit!" Sein anderer Freund war Klara die Kleine Schildkröte. Klara war nicht schnell, ganz und gar nicht. Sie hatte ein wunderschönes, gemustertes Haus auf ihrem Rücken und kleine, kräftige Beinchen, mit denen sie langsam, aber sehr beharrlich Schritt für Schritt setzte. Klara genoss jeden Grashalm, jeden Schmetterling und jeden kleinen Stein, den sie auf ihrem Weg sah. "Langsam, langsam, dann kommt man auch ans Ziel", murmelte sie oft zufrieden vor sich hin. Eines strahlenden Morgens entdeckten Fridolin und Klara vom höchsten Hügel aus ein prächtiges Blumenfeld, das noch niemand zuvor gesehen hatte. Es leuchtete in den schönsten Gelb-, Rot- und Blautönen und sah aus wie ein großer, weicher Teppich. "Oh, wie wunderschön!", rief Klara begeistert. "Da möchte ich hin!" Fridolin, der schon ganz ungeduldig war, sagte: "Das ist ein Kinderspiel! Ich bin in fünf Minuten dort! Wer zuerst da ist?" Klara lächelte und sagte: "Ich werde es versuchen, Fridolin. Aber ich gehe in meinem Tempo." Flitzer Fridolin legte sofort los. Er summte los, die Räder drehten sich im Nu, und er raste den kleinen Pfad entlang. "Tschüss, Klara! Ich bin schon da!", rief er übermütig. Er dachte, er würde Klara nie wieder sehen, bis er schon gemütlich im Blumenfeld wartete. Klara setzte indes, wie immer, ein Beinchen vor das andere. Sie schaute sich die kleinen Käfer am Wegesrand an und lauschte dem fröhlichen Gesang der Vögel. Sie war glücklich, einfach unterwegs zu sein. Nach einer Weile, als Fridolin schon fast außer Sichtweite war, kam er an ein kleines Flüsschen. Oh je! Der kleine Holzsteg, der darüber führte, war zerbrochen. Ein großes Stück Holz fehlte in der Mitte, und der Fluss war zu breit und zu tief für den kleinen Fridolin. Er versuchte hin und her zu fahren, er hupte traurig: "Hup, hup! Was mache ich nur? Ich komme nicht weiter!" Er war so schnell hierher gefahren, dass er gar nicht bemerkt hatte, wie sich der Himmel leicht bewölkte. Nun regnete es auch noch ganz leicht, und der Pfad wurde matschig. Fridolin wurde immer trauriger. Er stand fest und wusste nicht weiter. Doch dann hörte er ein sanftes Rascheln hinter sich. Es war Klara, die Kleine Schildkröte. Sie kam langsam, aber stetig näher. Sie sah den zerbrochenen Steg und Fridolin, der ganz mutlos daneben stand. Klara hatte auf ihrem Weg viele Dinge bemerkt, die Fridolin in seiner Eile übersehen hatte. "Keine Sorge, Fridolin", sagte Klara ruhig. "Der Weg über die Brücke ist versperrt. Aber ich habe einen kleinen Steinweg am Rand des Flusses gesehen, der ein Stückchen weiter flussabwärts beginnt. Er ist vielleicht ein bisschen holprig für dich, aber er führt sicher auf die andere Seite. Und wenn du mir erlaubst, dir zu zeigen, wo du am besten fährst, dann geht es vielleicht." Fridolin war erst skeptisch, aber dann sah er Klaras kluge Augen. "Du hast wirklich einen anderen Weg gefunden?", fragte er erstaunt. "Ja", sagte Klara und begann, langsam dem Flussufer zu folgen. Fridolin fuhr vorsichtig hinter ihr her. Klara zeigte ihm mit ihrer kleinen Nase und ihren Beinchen, wo die größten Steine waren, über die er besonders vorsichtig fahren musste. Sie warnte ihn vor kleinen Pfützen und fand den besten Halt für seine Reifen. Es dauerte eine Weile, und es war ein bisschen anstrengend, aber gemeinsam schafften sie es. Sie überquerten den Fluss auf dem geheimen Steinweg, den nur Klara entdeckt hatte. Als sie auf der anderen Seite waren, hörte der leichte Regen auf, und die Sonne kam wieder hervor. "Oh, Klara! Du bist eine Lebensretterin!", rief Fridolin glücklich. "Ich habe viel zu schnell gedacht und nur an mein Ziel. Du aber hast auf den Weg geachtet." Nun war das Blumenfeld nicht mehr weit. Gemeinsam fuhren und krochen sie den letzten Hang hinauf. Und als sie oben ankamen, lag das prächtige Blumenfeld vor ihnen, noch schöner als sie es sich vorgestellt hatten. Sie waren nicht die Ersten, die dort ankamen, denn ein paar Bienen und Schmetterlinge waren schon da, aber sie waren glücklich, es zusammen geschafft zu haben. Fridolin verstand an diesem Tag etwas Wichtiges. Es ist nicht immer nur wichtig, schnell zu sein. Manchmal ist es viel klüger, langsam und aufmerksam zu sein, genau wie Klara. Und noch besser ist es, wenn man gute Freunde hat, die einem helfen. Fridolin und Klara verbrachten den Rest des Tages im duftenden Blumenfeld, spielten Verstecken zwischen den hohen Blüten und erzählten sich Geschichten, bis die Sonne langsam unterging. Und von diesem Tag an rasten sie nicht mehr blindlings los, sondern achteten aufeinander und auf ihren Weg.
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