Kalles langsames Geschenk
Es war einmal ein ganz, ganz langsames Faultier namens Kalle. Kalle lebte hoch oben in einem großen, grünen Baum im Dschungel. Er machte alles langsam: langsam essen, langsam schlafen, langsam klettern. Das war seine Art, die Welt zu erleben, ganz in Ruhe. Eines sonnigen Morgens sah Kalle einen kleinen, flinken Vogel. Es war Pippa, eine wunderschöne Nektarvogel-Dame mit glänzenden, blauen Federn. Pippa flatterte von Blüte zu Blüte, sang fröhliche Lieder und tanzte in der Luft, so schnell, dass es aussah, als würde sie schweben. Kalle beobachtete Pippa und spürte ein warmes Gefühl in seinem Herzen. Er mochte Pippa sehr, sehr gerne. Er wollte ihr zeigen, wie lieb er sie hatte, aber er wusste nicht, wie. Er war doch so langsam! Während Pippa in nur einer Minute zwanzig Blumen besuchen konnte, brauchte Kalle eine ganze Stunde, um sich auch nur zu einer einzigen Blume zu bewegen. Wie sollte er ein Geschenk überreichen, wenn Pippa schon längst wieder weggeflogen war? Kalle hatte eine Idee. Er würde Pippa die allerschönste, knallrote Dschungelblume schenken, die ganz in seiner Nähe wuchs. Ganz, ganz langsam streckte er einen Arm aus. Die Blüte war nur ein kleines Stück entfernt, aber für Kalle war es wie eine lange Reise. Während Kalle sich Millimeter für Millimeter vorwärts bewegte, sang Pippa schon am nächsten Baum und naschte süßen Nektar. Kalle gab nicht auf. Endlich, nach langer, langer Zeit, hatte er die Blume erreicht. Vorsichtig zupfte er sie mit seinen Krallen ab. Nun musste er zu Pippa! Aber wo war Pippa? Sie war schon wieder woanders. Kalle seufzte leise. Er beschloss, die Blume einfach ganz festzuhalten und auf Pippa zu warten, ganz geduldig, wie es seine Art war. Einige Zeit später bemerkte Pippa Kalle, der still mit der roten Blume im Arm in seinem Baum hing. Neugierig flog sie näher. "Hallo, Kalle!", zwitscherte sie. "Was machst du denn da so fest an deinem Arm? Ist das eine schöne Blüte?" Kalle hob die Blume ganz, ganz langsam ein kleines Stückchen höher. Seine Augen leuchteten. "Für dich, liebe Pippa", flüsterte er so leise, dass Pippa sich noch näher heranbeugen musste, um es zu verstehen. Seine Worte waren langsam, aber voller Herz. Pippa sah die wunderschöne, rote Blume und dann Kalles warmes, ehrliches Lächeln. Plötzlich verstand sie. Kalle war langsam, ja, aber sein Herz war groß und voller Liebe. Es hatte sicher ewig gedauert, diese Blume zu pflücken und auf sie zu warten. Sie setzte sich sanft auf Kalles Kopf, direkt neben die Blume. "Oh, Kalle, sie ist wunderschön!", piepste sie. "Das ist das schönste Geschenk, das ich je bekommen habe." Und sie stupste ihn zärtlich an die Wange. Kalle war überglücklich. Er wusste, dass Liebe nicht schnell sein musste. Manchmal war sie einfach nur ganz, ganz langsam und dafür umso wärmer und echter. Pippa kuschelte sich an Kalles weiches Fell und Kalle lächelte. So saßen sie da, das langsame Faultier und der schnelle Vogel, und wussten, dass sie Freunde waren, ganz tief im Herzen.
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