Der müde Löwe und das Zaubereinhorn
Ferdinand, der kleine Löwe, war so, so müde. Ein riesiges Gähnen kam aus seinem kleinen Löwenmaul. GÄÄÄÄHHHN! Er streckte seine Vorderpfoten weit nach vorne und dann seine Hinterpfoten weit nach hinten. Die Sonne am Himmel schien warm und freundlich auf sein goldenes Fell. Es war die perfekte Zeit für ein gemütliches Nachmittagsschläfchen. Also machte sich Ferdinand auf den Weg. Tapp, tapp, tapp gingen seine weichen Pfoten durch das hohe, raschelnde Gras der Savanne. Er suchte den allerschönsten Schlafplatz auf der ganzen Welt. Zuerst sah er einen großen, schattigen Affenbrotbaum. „Ah, perfekt!“, dachte er. Er legte sich in den kühlen Schatten. Aber kaum hatte er die Augen geschlossen, da begannen die Blätter über ihm im Wind zu tanzen. Die Sonnenstrahlen, die durch die Blätter fielen, tanzten mit. Sie hüpften auf Ferdinands Nase, kitzelten seine Ohren und spielten auf seinem Bauch Verstecken. Kribbel, kribbel! Ferdinand musste kichern. Das war viel zu aufregend zum Schlafen. Also stand er wieder auf und tapste weiter. Ein Stückchen weiter entdeckte er einen Haufen weicher, trockener Blätter. „Das sieht gemütlich aus!“, murmelte er. Er drehte sich dreimal im Kreis, wie es kleine Löwen gerne tun, und ließ sich dann in den Blätterhaufen plumpsen. Raschel, raschel! Es war weich, ja, aber auch sehr laut. Und unter den Blättern krabbelten winzige Käfer. Einer krabbelte sogar auf seine Pfote! „Iiih!“, machte Ferdinand, schüttelte seine Pfote und sprang schnell wieder auf. Nein, ein Bett voller Käfer wollte er nicht. Traurig und noch müder als zuvor trottete Ferdinand weiter. Wo sollte er nur schlafen? Plötzlich blieb er stehen und spitzte seine runden Ohren. Was war das für ein Geräusch? Es klang wie leise, feine Glöckchen, die im Wind spielten. Ganz neugierig schob er einen großen Farnwedel zur Seite und spähte hindurch. Da, auf einer kleinen Lichtung, stand das schönste Geschöpf, das er je gesehen hatte. Es war ein Einhorn! Sein Fell schimmerte weiß wie die Wolken am Himmel und seine Mähne glänzte wie Silberfäden. Und auf seiner Stirn trug es ein langes, gedrehtes Horn, das in allen Farben des Regenbogens funkelte. Es war Stella, das Zaubereinhorn. Stella bemerkte den kleinen, müden Löwen, der sie mit großen Augen anstarrte. Sie lächelte sanft. „Hallo, du kleiner Löwe“, sagte sie mit einer Stimme, die so weich war wie Samt. „Du siehst aber sehr schläfrig aus. Ist alles in Ordnung?“ Ferdinand gähnte zur Antwort ein gewaltiges Löwen-Gähnen. „Ich bin so müde“, seufzte er, „aber ich finde einfach keinen Platz, der gemütlich genug zum Schlafen ist. Alles ist zu kitzelig, zu krabbelig oder zu hart.“ Stella nickte verständnisvoll. „Oh, das kenne ich. Aber ich glaube, ich kann dir helfen“, flüsterte sie geheimnisvoll. Sie trat einen Schritt näher, senkte ihr wunderschönes, glitzerndes Horn und berührte ganz sanft den Boden direkt vor Ferdinands Pfoten. Und in diesem Moment geschah etwas wahrhaft Magisches! An der Stelle, die ihr Horn berührt hatte, begann eine weiche, flauschige Wolke aus dem Boden zu wachsen. Sie wurde größer und größer, bis sie aussah wie das weichste, einladendste Bett, das man sich nur vorstellen kann. Ferdinands Augen wurden riesengroß. Er konnte es kaum glauben. Vorsichtig stupste er die Wolke mit seiner Nase an. Oh, sie war noch weicher als sie aussah! Er kletterte langsam auf die Wolke. Seine Pfoten sanken sanft ein. Er drehte sich einmal im Kreis und ließ sich dann wohlig seufzend nieder. Es fühlte sich an, als würde er auf einem warmen, weichen Wattebausch schweben. So gemütlich hatte er es noch nie gehabt. Als Ferdinand so bequem lag, begann Stella leise eine Melodie zu summen. Eine sanfte, ruhige Zaubermelodie, die klang, als würden Sterne vom Himmel fallen. Die Wolke unter Ferdinand begann im Takt der Melodie ganz sanft zu schaukeln. Hin und her, auf und ab, ganz langsam und beruhigend. Ferdinands schwere Augenlider flatterten. Er kuschelte sein Gesicht tief in die weiche Wolke, die nach Sommerregen und Honig duftete. Er hörte Stellas leises Summen, spürte die warme Sonne auf seinem Rücken und das sanfte Schaukeln der Wolke. Er atmete tief ein und aus. Ein letztes, winziges Gähnen entkam ihm... und schon war der kleine Löwe Ferdinand tief und fest eingeschlafen. Er träumte die süßesten Träume von Abenteuern mit seinem neuen Freund, dem Einhorn. Und Stella, das liebe Einhorn, saß still daneben, wachte über den schlafenden Ferdinand und summte leise ihre Schlaflieder, bis auch ihre Augen langsam zufielen. Schlaf gut, kleiner Löwe. Schlaf gut.
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